Nazis und der 1. Mai – Was Nazis gegen Kapitalismus haben

Zum 1. Mai verkünden nicht nur Gewerkschaften ihre politischen Forderungen. Auch Neonazis nutzen den Tag, um sich antikapitalistisch zu geben. Doch ihre Forderungen führen nicht etwa in die Emanzipation, sondern in den Faschismus. Unser Autor Michael Barthel hat das Buch „Völkischer Antikapitalismus? Eine Einführung in die Kapitalismuskritik von rechts“ mitverfasst und stellt die Grundlagen rechter Kapitalismuskritik vor.

Neulich verkündeten ein paar Nazis aus Northeim stolz auf ihrer Website, dass sie eine Mobilisierungsveranstaltung zum 1. Mai in Dortmund abgehalten hätten. Selbstverständlich waren die Kameraden „bewegt“ nachdem sie sich einen Vortrag anhören mussten und auch die üblichen „Balladen zum Ausklang des Abends“ dürften für das ein oder andere Tränchen gesorgt haben. Wer sich schonmal via YouTube entsprechendes angetan hat, kann dies nachvollziehen. Ist nämlich eine traurige Angelegenheit. Hier weiterlesen…
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„Honour & Pride“ will wieder aktiv werden

Für den 25. Mai ist ein Rechtsrock-Konzert mit sechs Bands an unbekanntem Ort „in Deutschland“ angekündigt  – der Domaininhaber der „Skinhead-Party“, die dafür die Werbetrommel rührt,  hat gerade das baufällige Schloss Germersleben in Sachsen-Anhalt erworben.

Oliver Malina

                         Oliver Malina

Die Grenze zwischen angeblich unpolitischen Skinhead-Konzerten und Rechtsrock-Auftritten ist fließend: Das beste Beispiel dafür liefert immer wieder das Musiknetzwerk von „Honour & Pride“ (H&P), das seit dem Deutschland-Verbot von „Blood&Honour“ im Jahr 2000 nicht nur mit ähnlichem Namen und in seiner ähnlichen Optik des Logos als veranstaltende Ersatzorganisation für  zahlreiche braune musikalische Events verantwortlich zeichnet. Als Kopf der H&P-Aktivitäten gilt Oliver Malina aus der winzigen Gemeinde Nienhagen, ein Ortsteil von Schwanebeck bei Halberstadt (Sachsen-Anhalt). Hier weiterlesen…

Mehr als 100% Grauzone – Die Band Vortex aus Hameln

Am 13.4.2013 war es mal wieder soweit, ein Grauzonenkonzert im JUZ Eschwege, bei dem neben beliebten Bands der unpolitischen Skinhead- sowie Rechtsrockszene auch die Band Vortex aus Hameln auftrat.

Historie der Band Vortex
Vortex, die sich seit ihrer Entstehung 1981 in Statements immer gegen jeglichen Extremismus ausgesprochen haben und sich selbst als unpolitische Spaß-Kapelle sehen, ist ein Paradebeispiel für rechtsoffene Tendenzen in der Oi-Szene. 

Bereits in ihrer frühen Existenzphase zwischen 1981-1989 spielten Vortex Konzerte mit bekannten Nazibands wie „Kahlkopf“ oder „Kraft durch Froide“ zusammen und veröffentlichten ihre ersten beiden Platten bei dem rechten Label „Rock O Rama“, auf dem neben der Band Vortex auch eindeutige Nazibands wie „Oithanasie“, „Radikahl“, „Skrewdriver“ und „Störkraft“ ihre Platten veröffentlichten.
Nachdem die ehemaligen Bandmitglieder Thomas Kroll (Gitarre und Gesang) und Bernd Engel (Gesang) Vortex im Jahre 2000 mit 2 „neuen“ Personen wieder Konzerte spielten, machten sie dort weiter, wo sie gegen Ende der 80er Jahre aufhörten.

Es folgten Konzerte u.a. in den Nazikneipen „De Kastelein“ (heute Moloko Bar/Belgien) und 2007 im „Skinhouse Menfis“ (Neustadt an der Orla).
2007 und 2008 veröffentlichte die Band schließlich 2 weitere Platten auf Randale Records.
Thomas Kroll führt zudem seit mehreren Jahren eine Kneipe namens „MAD Music Club“ in Hameln, in der regelmäßig Bands der Grauzone auftreten.

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Thomas Kroll (rechts im Bild, 2. Gesang und Gitarre bei Vortex)

Rechtsrock trifft auf Grauzone
Etwas genauer wollen wir das Konzert in Eschwege betrachten.
Neben Vortex, spielten die Bands Schusterjungs, Bombecks und Roials. Auf dem Flyer befindet sich u.a. das Logo des rechten „Feindkontakt Fanzine“. Vertrieben wird das Fanzine u.a. von extrem rechten Mailordern und Plattenlabels.

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Flyer des Konzertes im JUZ Eschwege (links) und eine Ausgabe des „Feindkontakt Fanzine“ (rechts)

Inhaltlich widmen sich die Macher_innen neben RAC- und Nazibands wie „Punkfront“, „Ultima Thule“ oder „Condemned 84“ auch vermeintlich unpolitischen Bands wie „Stomper 98“ oder „Lammkotze“. Auch findet man Konzertberichte von Nazikonzerten wie der „European Skinhead Party“ (Endstufe, Legitima Offesa, Faustrecht & Brassic), dem „Pride Firm Uelzen“ (Short Cropped, Les Vilains und Faustrecht) Konzert oder einem Auftritt von „Les Vilains“ in der Blood & Honour-Kneipe „Moloko Bar“.

Kurzinfos über die weiteren in Eschwege aufgetretenen Bands
Die Bands, die in Eschwege auftraten, sind ebenfalls einen genaueren Blick wert, da sie eine ähnlich gleichgültige Sorgfalt auf die Abgrenzung zum braunen Rand legen.

Bombecks
Bei den Bombecks handelt es sich um eine Band zwischen stumpfem Proll-Oi! und RAC. Bereits beim durchstöbern der Internetpräsenz wird einem schlecht. So rühmt sich die Kapelle neben Gigs mit schlichten Oi-Bands, auch mit gemeinsamen Auftritten von rechten Bands wie Haircut, Spy Kids, The Jinx, Ultima Thule und und und…

2011 spielten sie ein Konzert in der „Moloko Bar“ (ehemals „De Kastelein“). Als wäre das nicht genug, steuerte die Band einen Song für einen „De Kastelein Sampler“ bei, indem sie ihre Verbundenheit zu dem Blood & Honour Laden besingen.

In ihren Texten findet sich neben dumpfer Selbstdarstellung und dem Jammern über die PC-Polizisten („Szene-Polizei, wir lassen uns nicht darauf ein“) auch ekligster Patriotismus („man steht zu seinem Land und darf es nicht sagen sonst wirst du von oben niedergeschlagen“).                               

Schusterjungs

Bei den Schusterjungs genügt es fast schon sich die bisherigen Konzerte auf der Internet Seite anzuschauen. Grauzonen- bzw. RAC-Konzerte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Liste…
Gerbenok, Spy Kids, Frei.Wild, Brachial, Rampage, Glory Boys, um nur Einige zu nennen.

Zudem spielten auch die „Schusterjungs“ im Naziladen „Skinhouse Menfis“.
Mehr Informationen samt Fotos die eindeutig neonazistische Tendenzen der Band aufzeigen finden sich in dem Reader „Spreewald-Festival rockt rechts“

Roials
Die Band begrüßt beim Aufruf ihrer Myspace-Seite gleich mit einem Überblick ihrer Band-Biografie. Was sofort auffällt sind die zahlreichen Konzerte mit rechten Bands wie Rabauken, Test A, Ultima Thule und The Jinx. Doch auch ein Blick auf die Texte lässt Einblick in die politische Gesinnung der Band zu.  

So heißt es z.B. in dem Lied „Söhne dieses Landes“, das in Punkto Nationalismus selbst „Frei.wild“ alt aussehen lässt:
Textauszug Roials

Kurze Beleuchtung vergangener Konzerte mit Vortex
Juli 2009 fand zum Jahrestag „unserer“ Subkultur ein ganz besonderes Konzert mit hochkarätigen Bands der RAC- und Grauzonenszene statt. Neben den Ü-40 Rebellen der „4-Skins“ gab sich dort auch die Blood & Honour Band „Headcase“ die Ehre.

Im November 2011 gab es ein Konzert mit der vorzeige RAC-Band „Condemned 84“, neben „Razorblade“ und „Crossfire“ waren auch die Herren von „Pilsener Oi!quell“ aus Tschechien dabei.
Konzertflyer

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JUZ Eschwege
Das JUZ Eschwege ist in Sachen Grauzone kein unbeschriebenes Blatt. In der Vergangenheit gab es bereits öfters Konzerte am braunen Rand. So gastierten dort neben oben genannten Bombecks auch schon einschlägige Bands wie „Spy Kids“ (2010).

Umso schlimmer, dass das Konzert im April bereits lange im Vorfeld ausverkauft war…

Als Veranstalter des Konzertes am 13.04.2013 fungierten „Reckless Gigs“, die sich auf ihrer Facebook-Seite ganz ungeniert mit der „De Kastelein“ Hymne der „Bombecks“ präsentieren:
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Weitere Fotos, die Einblicke in die politische Gesinnung bzw. Gleichgültigkeit Vortex‘ gewähren:

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Vortex-Schlagzeuger Marco mit einem Kameraden im T-Shirt der RAC-Band „Close Shave“

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Konzertbesucher bei Vortex-Gig mit „88 Prozent Punkrock“-Shirt; auf der Bühne Bandmitglieder Thomas Kroll und Bernd Engel

Jim CLason bei Old Firm Casuals mit Sebi etc

V.l.n.r. Sebi von Stomper 98, Nazikonzertbesucher „Jim Clason“, „Lars Frederiksen“ und Thomas Kroll von Vortex

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Jim Clason’s Konzertzusage zur „European Skinhead Party“, die von der Blood & Honour Nachfolgeorganisation „Honour & Pride Niedersachsen“ organisiert wurde

 

NACHTRAG:
Aufgrund von Problemen mit dem ursprünglichen Veranstaltungsort wurde das Konzert nach Dresden verlegt und ein neuer Flyer erstellt auf dem Vortex, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr erscheinen.

Laut unseren Informationen konnte das Konzert wie geplant jedoch auch in der neuen Location in Dresden nicht durchgeführt werden, woraufhin ein Konzert in abgespeckter Ausführung, im Proberaum der „Roials“ (ebenfalls in Dresden) stattfand.

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Neonazis von „Besseres Hannover“ drohen Haftstrafen

Die Ermittlungen gegen die rechtsradikale und verbotene Vereinigung „Besseres Hannover“ stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Wie die HAZ aus Ermittlerkreisen erfuhr, erwartet die Staatsanwaltschaft in diesen Tagen den Abschlussbericht der Polizei. Und nicht nur das: Einigen der Rechtsradikalen könnten Haftstrafen drohen.

In dem rund 400 Seiten starken Rapport fassen die Beamten nicht nur die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zusammen. Sie liefern der Strafverfolgungsbehörde dem Vernehmen nach auch umfangreiches Beweismaterial dafür, dass die vier Rädelsführer des verbotenen Vereins gegen den Paragrafen 129 des Strafgesetzbuches verstoßen, also eine kriminelle Vereinigung gebildet haben. Ein solches Vergehen kann mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Offiziell wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht zum Stand der Ermittlungen äußern.

Mehr als sieben Monate lang war die Polizei mit der Auswertung der Computer, Festplatten und Unterlagen befasst, die bei der groß angelegten Razzia am 24. September des vergangenen Jahres sichergestellt worden waren. Den vier mutmaßlichen Anführern von „Besseres Hannover“ – Marc-Oliver M., Denny S., Patrick H. und Norbert S. – war an diesem Tag die Verbotsverfügung des damaligen Innenministers Uwe Schünemann (CDU) übergeben worden. Seither stellen alle Aktivitäten, die im Namen der verbotenen Gruppierung geplant und umgesetzt werden, einen Verstoß gegen das Vereinsgesetz dar und können strafrechtlich verfolgt werden. „Besseres Hannover“ war wegen Volksverhetzung und Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda verboten worden. Die Gruppierung hatte unter anderem durch die Verteilung der Schülerzeitschrift „Der Bock“ und die Veröffentlichung von ausländerfeindlichen Videos für Schlagzeilen gesorgt. Weiterlesen…

Quelle: HAZ