Offener Brief bezüglich des Krawallbrüder-Konzerts im Musikzentrum Hannover

Am 9. November 2012 soll im Musikzentrum in Hannover ein Konzert der vermeintlich unpolitischen „Krawallbrüder“ stattfinden. Die bereits 1993 aus dem Saarland kommende Band bezeichnet sich selber als unpolitisches Musikprojekt und wird vorwiegend von der unpolitischen Punk- und Skinheadszene gehört.

Seit einigen Jahren fällt im Zusammenhang mit Bands aus dem unpolitischem Spektrum vermehrt der Begriff „Grauzone“.
Mit dem Begriff Grauzone lassen sich Tendenzen innerhalb dieser Musikszene bezeichnen, sich nicht klar von Nazis zu distanzieren, sie und ihre Symboliken auf Konzerten zu tolerieren oder mit sich mit eben diesen Leuten eine Bühne teilen.
Ein beachtlicher Teil der deutschen Oi-Szene hält es mittlerweile für wichtiger sich gegen Antifaschismus oder Kritiker/innen dieser Grauzone auszusprechen, als klar Stellung gegen die anwachsende Zahl rechter und nationalistischer Besucher/innen ihrer Konzerte zu beziehen.

Alles unpolitisch?
Dass sich auch hinter dem unpolitischen Deckmantel der „Krawallbrüder“ eine Öffnung und Toleranz gegenüber  der rechtsoffenen und extrem rechten Szene verbirgt, lässt sich anhand von zahlreichen Auftritten mit verschiedenen Bands dieses Genres belegen.
Besondere Aufmerksamkeit möchten wir dem Auftritt der „Krawallbrüder“ im „Skinhouse Menfis“ (ehemals OiOi-Vater) in Neustadt an der Orla (Thüringen) widmen. In Griechenland (Skinhouse Hellas) und Italien (Skinhouse Milano) existieren Ableger des Skinhouse Menfis die seit Jahren fest in Blood & Honor- und Hammerskinstrukturen verankert sind.
Das „Skinhouse Menfis“ existiert schon einige Jahren als Veranstaltungsort für Punk- und Oi-Konzerte, in dem sich die Auftritte rechter und „eher unpolitischer“ Bands lange Zeit die Waage hielten. Dies änderte sich im Sommer 2005: „Ab 14. Juli 2005 übernimmt OiOi-Vater das MENFIS!“ heißt es auf der Menfis-Website.
Mit der Übernahme durch „OiOi-Vater“ Andreas Bicker, genannt „Bigge“, wurde der Takt rechter und extrem rechter Konzerte deutlich erhöht.

So spielten dort eindeutig neonazistische Bands wie Short Cropped (Belgien), Endstufe (Bremen) und Faustrecht (Allgäu), neben vermeintlich unpolitischen Bands wie „Schusterjungs“ oder „Unantastbar“ und eben auch den Krawallbrüdern.
Die damit einhergehende Akzeptanz gegenüber rechten Positionen und rechten Personen wird von den „unpolitischen“  Bands somit gefördert und/oder billigend in Kauf genommen, da es keine klare Abgrenzung gibt.

  • Mehr Infos zum „Skinhouse Menfis“ finden sich hier.
  • Artikel der antifaschistischen Zeitschrift „Lotta“ zu einem Konzert der Rechtsrockband „Bakers Dozen“ zusammen mit den Krawallbrüdern

Anti-Antifa=Unpolitisch?
Ein weiterer fragwürdiger Vorfall ereignete sich im August 2007 auf dem bekannten Punkfestival „Force Attack“ in der Nähe Rostocks. Als die Krawallbrüder die Bühne des „Force Attack“ betraten, machten sie bereits in einer Ansage deutlich, dass es den Abend nicht um Politik sondern nur um Musik gehe. Antifaschisten kritisierten bereits dies: „Es ist erstaunlich, dass angeblich unpolitische Bands ein Problem damit haben sich gegen Rechts abzugrenzen, aber kein Problem damit haben gleichzeitig gegen Antifas Stimmung zu machen.“ So tolerierte es etwa die Band als Teile des Publikums laut: „Ein Baum Strick ein Antifagenick!“ gröhlten. Auf Intervention oder gar ein Statement der Band wartete man vergebens.

Zwischen Oi!, Deutsch- und Rechtsrock
Stattdessen findet man auf der Seite des Krawallbrüder-Versandes „KB-Records“ im Internet allerlei Tonträger die das Herz des rechtsoffenen Skinheads aufblühen lassen.
Verkauft wird, neben teils antifaschistischen Bands, das komplette Sortiment der „unpolitischen“ Grauzone, sowie internationale und nationale Bands des rechten Lagers. Zu erwähnen seien dabei z.B. „Rabauken“, „Bierpatrioten“, „Bakers Dozen“ oder „Condemned 84“.
Die folgenden beiden Textauszüge der erwähnten Bands sollten reichen um einen Einblick in das vorhandene Repertoir der Bands zu gewinnen.

Textauszug des Songs „Vaterland“ der Rabauken:
„Deutschland
ja das ist unser Vaterland
und wir sind stolz darauf
Deutsche zu sein“

Textauszug des Songs „Gayskins“ der Bierpatrioten:
„Jetzt stöhnt der Gayskin in der Nacht
Ein Dildo hat er mitgebracht
Dann steckt er ihn noch hinten rein
Ich, ich bin ein schwules Schwein.

Tuntenskins, ja das ist toll,
die kriegen jetzt die Hucke voll.
Tuntenskins, ja das ist toll,
die kriegen jetzt die Hucke voll.“

„Unpolitisch“ zu sein scheint also auch zu bedeuten nationalistisches und homophobes Gedankengut gut zu heißen? Unserer Meinung nach bieten diese widerlichen Textauszüge Grund genug, die Musik weder zu bewerben noch zu vertreiben, zumal ein Großteil dieser Produktionen auf dem rechten Plattenlabel „DIM Records“ erschienen ist.
Der Betreiber von KB-Records und ebenfalls Sänger der Krawallbrüder scheint das anders zu sehen, was im Übrigen auch erklären könnte, dass er Bands wie Gerbenok produziert dessen Texte wie „Das soll jetzt nicht rassistisch klingen, doch es ist nun einmal so. Irgendwelche Asylanten dealen auf dem Bahnhofsklo“ ebenfalls alles andere als unpolitisch erscheinen.

Was sagt die Band selbst zu den Vorwürfen?

„Krawallbrüder“ bezeichnet sich als „unpolitisch“ und findet „eine Äußerung gegen Linksextremismus […] genauso OK wie eine Äußerung gegen Rechts“.

Das sich beide Aussagen miteinander vereinbaren lassen beweist „Krawallbrüder“ par ex­cel­lence seit Jahren immer wieder auf ein Neues. Offene Vorwürfe bezüglich der Auftritte mit fragwürdigen Bands werden kleingeredet und stattdessen lieber der Feind „links“ gesucht.

So sind es die „Wichtigtuer und Selbstdarsteller unter dem Deckmantel der Antifa“, welche „Bands und Personen [denunzieren]“ und laut der Band „einfach an die Wand [stellen]“.

Die Aussage „der politische Faktor ist bei uns Nebensache, solange er nicht in das Extrem geht“ bettelt förmlich danach auch Rassisten und Antisemiten bespielen zu dürfen, solange diese eben nicht zu „extrem“ sind, was immer da auch die Grenze ist.

Dazu kommt, dass ein Teil ihrer Einnahmen an „Laut gegen Nazis e.V.“ fließt und sich so ein politisch korrektes Image verschafft wird um jegliche Kritik abprallen zu lassen. Dabei soll keineswegs in Frage gestellt werden, dass Krawallbrüder Nazis „wirklich doof finden“, jedoch geschieht hier eine Gleichsetzung von „rechts“ und „links“ in Form der Extremismus-Theorie, welche förmlich neonazistischen Kräfte einlädt in der Oi!-Skinhead Szene Fuß zu fassen und dabei gleichzeitig antifaschistische Interventionen massiv erschwert.

Umso trauriger ist es, dass sich die Plattform „Laut gegen Nazis e.V.“ für solch ein „Politik ist scheiße“-Statement hergibt und damit den Kampf gegen Rassismus ad absurdum führt.

SMASH THE GREYZONE! 
Wir fordern das Musikzentrum und den Veranstalter des Konzerts aufgrund genannter Vorwürfe auf das Konzert mit den „Krawallbrüdern“ abzusagen!
Wir finden es nicht hinnehmbar dieser Band eine Bühne zu bieten, dagegen helfen auch keine Lippenbekenntnisse wie „Nazis und offensichtliche Sympathisanten der Rechten sind nicht erwünscht und bekommen keinen Zutritt zu dem Konzert“!

Red & Anarchist Skinheads Hannover /// 19. Oktober 2012